Vorgeschichte


Mit der friedlichen Revolution im Herbst 1989, den Montagsdemonstrationen, der Öffnung der Berliner Mauer und der Grenze öffnete sich auch das Ventil angestauter Meinungen zu gesellschafts- und ebenso bildungspolitischenProblemen und Mängeln, die nicht offen geäußert werden durften.

 

Wo nahmen wir plötzlich den Mut her , sich jetzt mit einem Male über die Ängste hinwegzusetzen gegenüber den immer noch Mächtigen, die vierzig Jahre lang akribisch und bis ins kleinste Detail geplant und organisiert hatten, jede auch nur dem Anschein nach sich entwickelnde Revolte brutal im Keim zu ersticken?

 

Die geschichtliche Entwicklung hin zu einer deutschen Einheit war auch in den kühnsten Träumen zu dieser Zeit nicht abzusehen.

 

Trotzdem haben beispielsweise an meiner Schule auf meine Anregung hin 16 Lehrerinnen und Lehrer, fast das ganze Kollegium, ein Positionspapier unter der Überschrift „Auffassungen – Forderungen – Standpunkte“ formuliert, dass dem damaligen Bildungsministerium der DDR übermittelt wurde. Vorausgegangen waren einige Thesen zum Aushang im Lehrerzimmer, die eines Spätabends auf die Schnelle von mir niedergeschrieben wurden. Es war sicher einer der Keime, der für unsere künftigen Aktivitäten gelegt wurde.

 

Erst als auf den Montags-Demos statt dem „Wir sind das Volk“ ein „Wir sind ein Volk“ skandiert wurde, war die deutsche Einheit nicht mehr aufzuhalten. Und sie musste aufgrund der politischen Weltlage schnell vonstatten gehen. Der völkerrechtlich einmalige Vorgang der Vereinigung (oder des Beitritts) zweier souveräner Staaten mit dazu noch völlig unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen musste viele Mängel in sich bergen. Für die Aushandlung des Einigungsvertrages stand gerade mal ein Monat zur Verfügung! Aber leider wurden im Nachhinein kaum Korrekturen im Sinne des Geistes des Vertrages vorgenommen, sondern auffallend gegen die Ostdeutschen entschieden.